Schild: Deutsche Feuerversicherung Gotha Schild: Deutsche Feuerversicherung Gotha

Die Gründung

Gothaer Feuerversicherungsbank

Mit der Gründung der Feuerversicherungsbank 1820 durch Ernst Wilhelm Arnoldi beginnt die Geschichte der Gothaer. Gleichzeitig endet damit die Monopolstellung der Londoner Phoenix Assurance Company, die bis dahin den deutschen Feuerversicherungsmarkt beherrschte. Schon 1817 hatte Arnoldi einen Artikel über "Die Idee einer eigenen deutschen Feuerversicherung" veröffentlicht.

Vorreiter der Feuerversicherungsbank: Brandgilden und Feuerkassen

Das Bedürfnis, sich, die eigene Familie und das eigene Haus bzw. Eigentum gegen alle möglichen Gefahren abzusichern, ist älter als die Zeitrechnung der Menschheit. Doch nicht immer gab es Versicherungen. Früher musste jede Familie selbst durch Sparen vorsorgen oder war im Fall eines Schadens auf die Hilfe von Nachbarn angewiesen. Darüber hinaus bildeten sich damals Gruppen von Gleichgesinnten, meist Kaufleuten, um sich gegen spezielle Risiken ihres Lebens oder Unternehmens zu schützen.

Die Angst, sein Haus durch einen Brand zu verlieren, war am größten. Der Anstoß zum gemeinschaftlichen Schutz vor dem Feuer kam von den Gilden. Diese Zusammenschlüsse von Handwerkern und Kaufleuten waren reine Zweckgemeinschaften und dienten dazu, einerseits die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Mitglieder zu erhalten und andererseits in Not geratene Mitglieder zu unterstützen. Die erste neuzeitliche Brandgilde wurde 1537 in Süderau errichtet. Schnell etablierte sich diese frühe Form der Feuerversicherung, und es entstanden in ganz Schleswig-Holstein viele lokale Notgemeinschaften, deren Mitglieder meist Hausbesitzer waren.

Aufgrund der Zunahme von Bränden wurde 1676 in Hamburg die "General-Feuer-Cassa" entwickelt, der Ursprung der Hamburger Feuerkasse. Sie bestand bis 2005 und war das älteste Versicherungsunternehmen der Welt. Anders als die privatrechtlichen Feuerkontrakte war die Hamburger Feuerkasse damals eine Anstalt des öffentlich-rechtlichen Versicherungswesens. Träger waren nicht die einzelnen Mitglieder, sondern die öffentliche Hand. Nach diesem Vorbild entstanden weitere derartige Gebäude-Brandversicherungen in allen deutschen Teilstaaten.

Monopolstellung der Londoner Phoenix Assurance Company

Diese Feuerkassen versicherten jedoch nur Gebäude. Im Zuge der Industrialisierung entstanden jedoch zahlreiche Fabriken, die über ein großes Inventar verfügten, das bei Brand nicht mit versichert war. Die englischen Feuerversicherer hatten dies schon erkannt, sie versicherten auch Waren und Mobiliar und breiteten sich auf dem europäischen Festland aus. Der größte englische Versicherer war die Phoenix Assurance Company, die 1786 ihre erste Niederlassung in Hamburg eröffnete. Da die englischen Versicherer Privatfirmen waren, kalkulierten sie sehr realistisch und taxierten die sich anbietenden Risiken auf ihre Versicherbarkeit. Die geforderten Prämien wurden je nach Gefahrengrad unterschieden und unterlagen den bisherigen geschäftlichen Erfahrungen. Auf diese Weise trugen die englischen Versicherungen wesentlich dazu bei, eine zeitgemäße Versicherungstechnik zu entwickeln, die den Anforderungen der Industrialisierung in Deutschland entsprach.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die Phoenix Assurance Company eine Monopolstellung auf dem deutschen Markt. Dies nutzte die Feuerversicherung aus, sie verlangte zu hohe Prämien und zahlte im Schadensfall zu wenig aus. Ernst Wilhelm Arnoldi bekam dies gleich doppelt zu spüren. Einmal Ende 1810, als die Tabakfabrik seines Vaters brannte und die Entschädigung recht mager ausfiel und zweitens, da er seine drei Unternehmen ebenfalls bei der Phoenix versichert hatte und bei Schäden auf eine wenig kulante Schadensabwicklung stieß.

Der Plan einer Feuerversicherungsbank wurde begeistert angenommen

Aus Unzufriedenheit darüber veröffentlichte Arnoldi im Januar 1817 seinen Aufsatz über "Die Idee einer eigenen deutschen Feuerversicherung". Die Resonanz darauf war groß, und Ernst Wilhelm Arnoldi organisierte in den folgenden Monaten viele Diskussionen zu diesem Thema in der Gothaer Innungshalle. Das Ergebnis waren konkrete Vorschläge zur Gründung einer "Feuerversicherungsbank für den deutschen Handelsstand".

Das Grundsatzpapier dazu wurde sofort von 16 Gothaer Kaufleuten unterschrieben. Am 1. Oktober 1819 wurde Gotha zum Sitz der geplanten Feuerversicherungsbank gewählt, da es geeignete Rahmenbedingungen für die Ansiedelung neuer Firmen bot. Denn Gotha lag verkehrsgünstig, war im Vergleich zu den anderen Teilstaaten nicht sehr bürokratisch und verlangte keine Sonderabgaben für Versicherungen. Innerhalb kürzester Zeit beteiligten sich 118 Kaufleute und Firmen an der Versicherung. So kam es, dass der Vorstand der Versicherungsbank am 2. Juli 1820 zur konstituierenden Sitzung zusammentrat. In dieser Sitzung wurde die Verfassung des Unternehmens verabschiedet und Ernst Wilhelm Arnoldi zum Direktor bestellt.

Schon nach einem Jahr hatte die Gothaer Feuerversicherungsbank einen Bestand von 1.804 Versicherungen mit einer Versicherungssumme von insgesamt 13,5 Millionen Talern, Ende 1821 waren es sogar schon 18,6 Millionen Thaler. Damit war die Monopolstellung der Phoenix Assurance Company in Deutschland beendet und der Grundstein gelegt für die Gothaer Versicherungsbank, so wie wir sie heute kennen.