Rätsel-Rentenreform: Mehrheit der Deutschen mit großen Wissenslücken

Die geplante Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge droht an vielen Menschen vorbeizugehen: Ein Drittel der Deutschen kennt die aktuellen Reformpläne nicht.

Und selbst unter den Informierten bewertet eine klare Mehrheit (65 Prozent) ihr Wissen zu Inhalten und Auswirkungen als schlecht oder sehr schlecht. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Studie der BarmeniaGothaer.

Besonders ausgeprägt ist die Wissenslücke bei jungen Erwachsenen. „Über die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen haben noch nie etwas von der Altersvorsorgereform und den daraus resultierenden neuen Produkten gehört. Das zeigt, dass die zentralen Zielgruppen – bei denen frühzeitige Weichenstellungen für ihre Altersvorsorge entscheidend sind – bisher nicht ausreichend erreicht wurden“, sagt Alina vom Bruck, Vorständin der Lebensversicherung bei der BarmeniaGothaer. „Wenn Wissen und Zugang fehlen, steigt das Risiko, dass Vorsorgechancen ungenutzt bleiben. Das widerspricht auch dem zentralen Ziel der Reform, die Durchdringung der privaten Altersvorsorge zu erhöhen“, führt sie aus. Insgesamt geben 67 Prozent der Befragten an, die Reform zumindest wahrgenommen zu haben. Die Studie zeigt: Mit zunehmendem Alter steigt die Bekanntheit der Reform.

Gehört ja, verstanden nein – Mehrheit fühlt sich unzureichend informiert

Der Informationsstand zur Altersvorsorgereform ist insgesamt niedrig: Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten, die bereits von der Reform gehört haben, fühlen sich eher schlecht oder sehr schlecht über Inhalte und Auswirkungen informiert. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 57 Prozent der Männer, aber 72 Prozent der Frauen bewerten ihren Informationsstand als eher oder sehr schlecht. Lediglich 31 Prozent insgesamt schätzen ihr Wissen insgesamt als gut oder sehr gut ein.

Komplexität schreckt bereits im Vorfeld ab

Unabhängig davon, ob die Befragten die Reform überhaupt wahrgenommen haben, sind die Erwartungen an die Produkte überwiegend von Skepsis geprägt: 67 Prozent erwarten komplexe oder sehr komplexe Produkte. Nur 21 Prozent rechnen mit einfachen Lösungen. „Wenn eine klare Mehrheit bereits vor Einführung der Produkte von hoher Komplexität ausgeht, zeigt das, wie groß der Bedarf an verständlicher Beratung und einfacher Strukturierung sein wird“, so vom Bruck.

Junge sehen Beratungsbedarf

Auf den ersten Blick scheint der Bedarf an Beratung begrenzt: 69 Prozent der Befragten erwarten eher keinen oder nur geringen Unterstützungsbedarf. Ein differenzierter Blick zeigt jedoch deutliche Altersunterschiede: Unter den 18- bis 29-Jährigen sieht jede zweite Person einen hohen oder sehr hohen Beratungsbedarf. In den älteren Gruppen nimmt dieser Anteil kontinuierlich ab (30–44 Jahre: 38 Prozent, 45–59 Jahre: 31 Prozent, 60+ Jahre: 16 Prozent).

„Altersvorsorge ist heute deutlich komplexer organisiert als noch vor einigen Jahrzehnten. Während frühere Generationen stärker auf klar strukturierte Systeme vertrauen konnten, sehen sich jüngere Menschen heute mit einer Vielzahl von Optionen und Entscheidungen konfrontiert“, sagt vom Bruck. „Umso wichtiger sind verständliche Informationen und fundierte Beratung, die dabei helfen, frühzeitig die richtigen Entscheidungen für eine nachhaltige Altersvorsorge zu treffen. Dabei gilt: Beratung kostet zwar Geld, doch Fehlentscheidungen können langfristig deutlich teurer sein. Unser Ansatz wird daher sein, unsere Kund*innen umfassend zu beraten, sie transparent durch die neuen Möglichkeiten zu führen und sie auf ihrem individuellen Weg in der Altersvorsorge langfristig zu begleiten – auch mit innovativen Produktlösungen, die wir derzeit entwickeln“, so vom Bruck.

Über die Studie

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zum neuen Altersvorsorgereformgesetz, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag der BarmeniaGothaer AG durchgeführt hat. Im Rahmen der Untersuchung wurden 1.002 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren telefonisch befragt. Die Datenerhebung erfolgte vom 22. bis 27. Mai 2026.

Zurück zur Übersicht